18. Tag
14.03.2000
Gute Nacht verbracht.
Am nächsten Morgen erst mal beratschlagen, was wir nun machen wollten.
Queenstown wollten wir nicht genauer unter die Lupe nehmen.
Also nur mal kurz spazieren gehen und durch den Park (hier haben wir unser erstes Monkeypuzzle gesehen) zum See.
Danach noch rasch den Camper aufgeladen.
Diesel und Vorräte einkaufen.
Und dann auf große Fahrt.
Unser nächstes Ziel war Fox Glacier. Doch bis dahin war es noch weit und wir hatten noch einiges an Überraschungen an diesem Tag vor uns.
Unser erster Halt war kurz hinter Queenstown.
Hier war ein für Neuseeland sehr wichtiger Ort.
Wir hatten es nur durch Zufall gefunden. Es war eigentlich eine Brücke. Aber keine gewöhnliche Brücke. Hier wurde das Bungee Jumping erfunden und über die ganze Welt verbreitet.
Und wir waren auch da.
Es war noch früh am Morgen aber es gab schon genug wilde Menschen, die sich am Gummiseil in die Tiefe stürzten und denen, die sich das nicht trauten, eine prima Show machten.
Es war schon ein eigenes Gefühl, die Leute von der Pritsche an der Brücke springen zu sehen.
Irgendwie hat es einem da gekribbelt, aber es war zu teuer (mit Foto und Video kostete es 210 NZ Dollar)
Wir beobachteten das ganze Treiben eine Weile und machten uns dann weiter auf den Weg.
Der Weg führte uns über Cromwell nach Wanaka,
Macarora zum Haast Pass.
Über den Pass hat der Camper ganz gut zu schaffen gehabt, aber es war wie bei allen Passstrassen einfach eine wunderbare Aussicht.
Nachdem wir in Haast an der Westküste der Insel angekommen waren, wollten wir die wilde Tasmansee beobachten.
Also nix wie raus auf den Parkplatz und an den Strand.
Wir kamen keine 10 Meter vom Auto weg!
Überfallartig hatten wir nun eine Millionenschar von Sandflies angelockt und wurden erbarmungslos von den Biestern malträtiert.
Flucht zurück ins Auto. Alle, die mit in den Camper gekommen waren, wurden sofort in einer wilden Haudraufaktion zum Tode verurteilt und exekutiert.
Das war also nix mit der Besichtigung der See.
Nun kam der Hunger durch. Wir hatten in unserem Reiseführer eine Kneipe in der Nähe empfohlen bekommen.
Also nix wie hin. Es war eine urige Gaststätte, in der wir ein warmes Essen bekamen und auch eine gute Auswahl von Moskitospray in der Auslage fanden.
Ausgerüstet mit einem vollen Bauch und einem (nach Aussage der Bedienung) Spitzenprodukt der neuseeländischen Army konnte uns keiner mehr was wollen, schon gar nicht die Sandflies.
Also weiter. Wir hatten noch einige Kilometer bis Fox.
Nach ca. 2 Stunden Fahrt kamen wir am Gletscher an.
Also raus aus dem Auto, die Adventureklamotte über und losmarschiert.
Das Erste, was wir außerhalb des Campers antrafen, waren die uns schon prophezeiten Monster von Neuseeland.
Der KEA!
Er ist das gefährlichste Tier der Insel.
Der Kea ist ein rabengroßer Vogel mit einem Hakenschnabel. Der Vogel ist recht keck, hat nur wenig Scheu vor Menschen und taucht immer in kleinen Gruppen auf.
Diese Trupps machen sich dann allerlei Jux.
In unserem Falle versuchten sie sich gerade daran, ein Wischergummi am Nachbarauto zu klauen.
Wir hatten uns ziemlich warm angezogen, da so ein Gletscher ja aus Eis ist.
Aber erstmal sahen wir nur einen reißenden Bach, der sehr kaltes Wasser mit sich führte.
Vom Gletscher keine Spur.
Nach ca. 20 Minuten Fußmarsch hatten wir es dann aber geschafft.
Der Weg hatte uns durch eine wilde Landschaft geführt.
Geröllfelder und Endmoränen lagen da nur so rum.
Auf dem Weg war uns recht warm geworden, aber hier direkt vor dem Eis war es doch beträchtlich kalt.
Ohne unsere Winterausrüstung hätten wir hier doch gefroren.
Also schnell noch mal ein Foto gemacht und ab durch die Mitte.
Wir hatten schließlich für heute Abend ein besonderes Schmankerl gebucht:
im Ort Fox Glacier ein Bed & Breakfast.
Wir machten uns auf die Suche.
Es gestaltete sich als einfacher als gedacht. Der Ort war doch eher übersichtlich strukturiert.
Also eher niedlich.
Unsere Unterkunft war ein Farmhaus ca. 200 Meter vom "Ortskern" entfernt.
Wir wurden sehr herzlich empfangen und uns wurde unser Zuhause für eine Nacht gezeigt.
So eine Unterkunft hatte ich im ganzen Leben noch nicht!
Alles war sehr persönlich eingerichtet. Auch gemütlich.
Nicht etwa, daß das alles meinem Geschmack entsprochen hätte.
Nein eher gar nicht. Aber es war so mit Liebe hergerichtet, dass man es mögen musste.
In jeder Ecke stand etwas herum und lag sinnlos in den Regalen.
Alles Einzelstücke und Sammlerkram.
Die meisten Sachen machten den Eindruck, als seien sie auch noch mindestens 30 Jahre alt!
Auch auf den Zimmern war alles so eingerichtet.
Wir hatten ein großes Doppelbett mit einer rosa Tagesdecke, die von Spitze nur so strotze.
Zwischen den Kopfkissen saß eine ca. 40 cm große Porzellanpuppe mit einem Sarah Kay Gesicht und einem unheimlich weit wallenden Kleid.
Der Rest des Zimmers setzte sich so in etwa fort.
Einfach phantastisch. (Ich dachte in Los Angeles wäre das Alles spätestens nach 2 Nächten geklaut).
Wir hatten sogar unser eigenes Bad.
So konnten wir genüsslich noch eine Tee trinken und in den Schlaf fallen.